Aquarelle Coquelicot

Boulomanie


Provence : Pétanque
Wenn Sie im Süden Frankreichs weilen und zu Ohren bekommen, dass erwachsene Männer stundenlang Stahlkugeln auf ein kleines Schweinchen werfen, dann ist keineswegs die Jagdsaison eröffnet, sondern es handelt sich um die Beschreibung des provenzalischen Nationalsports: dem Boule-Spiel oder Pétanque.

Die Kugeln (boules) wiegen 600 bis 800 Gramm und das Schweichen (cochonet) hat einen Durchmesser von ca. 25 mm, ist aus Holz und stellt den Zielpunkt dar. Man spielt in zwei Parteien jeweils zu zweit oder zu dritt und gewonnen hat der, dessen „boule“ dem „cochonet“ am nächsten liegt.

Die Kunst besteht darin, die gut platzierte Kugel des Gegners so zu treffen, dass sie wegspringt und die eigene Kugel an deren Stelle liegen bleibt (caro sur place). Versuchen Sie mal. Im Midi – wie sich der Süden Frankreichs nennt – beherrschen dieses Kunststück bereits Achtjährige.

Uns „Nordlichtern“ ist es kaum vergönnt, in die Magie des Pétanque einzudringen. Wer einmal Zeuge war, wie ein Sturzbetrunkener, kaum noch seiner Beine mächtiger Provenzale zu den Kugeln greift, wie ihn im Wurfkreis urplötzlich der Pétanque-Geist durchzuckt und er dann in höchster Konzentration und mit traumwandlerischer Sicherheit reihenweise die gegnerischen Kugeln wegknallt, um anschließend wieder aus dem Kreis zu torkeln, der hat wahrscheinlich mehr von der Seele des Spiels begriffen, als alle bücherfüllenden Abhandlungen zu erklären vermögen.

Bei dieser Passion soll schon manch einer Haus und Hof verspielt haben und böse Zungen munkeln: die Frau obendrein.


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