Avignon: die andere Papststadt

Avignon: die andere Papststadt

Heute wollten wir einen Tagesausflug in Avignon machen. Diese Stadt ist eines der Startpunkte, wenn man mit dem Zug in den Süden runter zischt und von dort aus mit einem Mietwagen die letzten Kilometer Richtung Luberon fährt.

Avignon und sein Theaterfestival

Eine Stadt, die sich besonders im Juli lohnt, denn das Theaterfestival lässt die ganze Stadt aufblühen. Jongleure, Pantomimekünstler und Musiker verwandeln den „Place du Palais“ vor dem Papstpalast und die gesamte Innenstadt in eine bunte Freilichtbühne. Überall gibt es Plakate und Flyer auf den Mauern, und Theatertruppen improvisieren vor den Cafés Terrassen, um für ihr Stück zu werben.

Neben dem „In“-Festival gibt es seit Ende der 60er Jahre das inoffizielle „Off“-Festival, das gleichzeitig stattfindet und über 350 Stücke junger Truppen anbietet. Auch wenn man keine Theateraufführung besucht, kann man die Aufregung aufschnappen, indem man einfach durch die Gassen schlendert. Ich habe noch lebhafte Erinnerungen daran, wie ich (Léa) als Kind durch die Straßen von Avignon rannte, immer gespannt, welches Schauspiel es um die nächste Ecke gab.

Die Insel Barthelasse

Wenn man es ruhiger mag, kann man sich ans Ufer der Insel Barthelasse niederlassen und die Postkartenansicht von Avignon genießen: Von hier aus haben Sie freien Blick auf die weltberühmte Brücke Saint-Bénézet (auch „Pont d’Avignon“ genannt), die nur noch zur Hälfte erhalten ist, da der hölzerne Teil die Jahrhunderte nicht überdauerte, den dominierenden Kalkfelsen, über dem sich die Kathedrale Notre-Dame-des-Doms erhebt und natürlich den unübersehbaren Papstpalast.

Nur wenige Kilometer von der Altstadt entfernt ist die Insel Barthelasse mit ihren Obstgärten die größte Flussinsel Frankreichs. Sie bietet 13 Kilometer weites Netzwerk ausgewiesener Wander- und Radwege.

Ein Teil der Ufer der Insel Barthelasse ist im Inventar der Naturschätze als ZNIEFF, „Zone naturelle d’intérêt Ecologique, Faunistique et Floristique“, eingestuft. Sie beherbergen Brutvögel, Igel, Spitzmäuse, Wiesel und Dachse, Siebenschläfer und Biber, aber auch Sperber, Graureiher, Tauchenten, Stockenten und Kormorane.

Nach dem Spaziergang kann man die Branntweinbrennerei Manguin besichtigen und von dieser mit einer Flasche Birnen-Branntwein, Spezialität des Hauses, zurückkehren.

Die Insel ist mit einem kostenlosen Wasserbus (Traillefähre) und mit dem Auto über die Daladier-Brücke erreichbar.

Jardin des Doms

Ein weiterer Spaziergang und Ausblick bietet der „Jardin des Doms“ (neben der „Cathédrale des Doms“). Der Garten des „Rocher des Doms“ (Dom-Felsen) ist die Wiege der Stadt. Der höchste Punkt Avignons bietet einen wunderschönen Blick auf den Fluss, die berühmte Brücke und die Glockentürme der Stadt.

Papstpalast

Nicht vermissen sollte man den Papstpalast, auch wenn er touristisch überlaufen ist. Ab dem 14. Jh. residierten in Avignon insgesamt neun Päpste an. Der Papstpalast ist das steinerne Zeugnis ihres Reichtums und wurde hauptsächlich von zwei Päpsten errichtet: Benedikt XII und Clemens VI. In Revolutionszeiten wurden die Räumlichkeiten als Pferdestall zweckentfremdet.

Heute ist der Papstpalast ein Museum, das man mit Tablets besuchen kann. Diese ermöglichen durch Augmented Reality, die ursprünglichen Räume mit den Möbeln und Dekoration zu Zeiten der Päpsten zu visualisieren. Für Kinder gibt es außerdem noch interaktive Spiele: z.B. eine Schatzsuche, bei der man in jedem Raum Goldmünzen finden muss; oder das „Selfie“ in Papstkleidung, die man als Erinnerung an seine Mailbox schicken kann.
Das Tablet hat auch eine Deutsche Version und ist im Eintrittspreis inbegriffen.

Rue des Teinturier

Zum Schluss sollte man entlang der „Rue des Teinturiers“ schlendern. Die „Färberstraße“ verströmt ein mittelalterliches Flair. Die Hersteller der so genannten Indienne-Stoffe siedelten sich im 18. Jh. in diesem Viertel an und benutzten das Wasser der Sorgue als Antriebskraft und zum Waschen. Einige Schaufelräder sind noch erhalten. Heute befinden sich in der Straße zahlreiche Cafés, Restaurants und kleine Boutiquen.

Bonus: Unser Geheimtipp für Deko-Fans, Vox Populi

In ihrem Atelier und Showroom in Avignon inszeniert Pascale Palun ein sehr persönliches, poetisches und geheimnisvolles Universum. Verwitterte Materialien, die von Erinnerungen geprägt sind, sind die Rohstoffe der Designerin. In ihren Händen erhalten abgenutzte Gegenstände, die von der vergehenden Zeit zeugen, einen zweiten Atem und werden von einer neuen Geschichte durchdrungen.

Vox populi
35 rue bonneterie, 84000 Avignon

Schleckerpausen

Mittagessen bei Ginette

Für uns eine Evidenz, wenn wir Avignon besuchen: Die großen, reichlich garnierten “Tartines” (Brotaufstriche) machen satt und schmecken einfach super. Eine tolle Adresse für die Mittagspause, bevor es mit dem Sightseeing weitergeht.

Epicerie chez Ginette
25-27 Place des Corps Saints, 84000 Avignon
Jeden Tag geöffnet

Goûter bei Pâtisserie Vernet

Diese Adresse ist ehrlich gesagt eine Empfehlung von einer Freundin, die von Pâtisserie begeistert ist. Der Zitronen-Yuzu-Windbeutel mit Schlagsahne aus weißer Schokolade ist ihr Geheimtipp.

Pâtisserie Vernet
77 Rue Joseph Vernet, 84000 Avignon
Montags geschlossen

Abendessen bei La Cour d’honneur

Eine sehr diskrete Adresse, wo Sie marktfrische Küche genießen können. Wenn Sie die Schwelle eines „hôtel particulier“ (altes Bürgerhaus, heute als historisches Monument eingestuft) überschreiten, befinden Sie sich in einer ruhigen Umgebung. Der Ehrenhof empfängt Sie an schönen Tagen im Schatten von Glyzinien und hundertjährigen Bäumen.

La Cour d’honneur
58 Rue Joseph Vernet, 84000 Avignon

Abendessen mit Ausblick auf der Insel Barthelasse: Le bercail

Auf der großen Terrasse am Ufer der Rhône, im Schatten der hundertjährigen Platanen (500 Jahre), bietet das Restaurant einen wundervollen Blick auf die Brücke St Bénezet und den Rochers des Doms.

Le Bercail
162, chemin des Canotiers – Ile de la Barthelasse, 84000 Avignon

Photo credit: Guillaume Mangeret, manufrakass, rey perezoso, _jaime1, grego1402, Geoff Leeming, Luis Ascenso

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