Umbrien: ein verstecktes Paradies

Umbrien: ein verstecktes Paradies

Heute gibt es einen Bericht aus einer anderen Region als den Luberon, nämlich aus unserer zweiten Heimat, Italien! In Umbrien und der Toskana macht Elisa für Coquelicot schöne, authentische Häuser ausfindig. Und einmal im Jahr nutzen wir die Gelegenheit, eine Woche in eines der Häuser zu wohnen, die Besitzer und Elisa zu treffen, und natürlich auch die Dolce Vita zu genießen…

Dieses Mal sind wir Anfang August mit zwei Freunden (Guillaume und Julie) zu viert nach Umbrien gefahren.

Mitten in Italien liegt Umbrien, das deswegen auch das „grüne Herz Italiens“ genannt wird. Im Vergleich zu den bekannten Küstengebieten wie der Amalfiküste oder der Toskana bietet Umbrien eine ruhigere und ländlichere Umgebung mit sanften Hügeln, Weinbergen und Olivenhainen. Diese friedliche Atmosphäre macht Umbrien zu einem idealen Ziel für Naturliebhaber und Reisende, die abseits der Massen nach Erholung suchen.

Léa genießt den Ausblick

Unser Startpunkt: Assisi

Der Geburtsort von St. Franziskus, zieht Pilger aus aller Welt an. Die Basilika des Heiligen Franziskus und andere religiöse Stätten sind bedeutende Attraktionen für Gläubige und historisch Interessierte. Auch für “normale” Touristen lässt die Schönheit der Kirchen nicht gleichgültig. Besonders beeindruckend sind die Fresken von Giotto oberhalb der Basilika: sehr bunt und mit etlichen Details. Wir haben uns auf eine Bank gesetzt und die Schönheit des Werkes bewundert.

Nachdem wir während des Urlaubs mehrere Städte um Assisi besichtigt haben, können wir nun sagen, dass Assisi mit Spello doch zu den malerischsten gehören (und das Niveau war sehr hoch). Die Gassen sind wunderschön verschlungen und es gibt hier und da schöne Cafés und Restaurants.

Ein definitives Highlight war für uns La Trattoria da Erminio. Als wir nach einer anstrengenden Anreise (wir hatten sehr viel Verspätung wegen des Mietwagenanbieters) in unserer Wohnung ankamen, reservierte unsere nette Gastgeberin das Restaurant für uns, und 10 Minuten später saßen wir am Tisch mit einem Glas lokalen Wein und Schinken und Käse, und das Leben war dann auch schon um einiges besser.

Martin müde, aber froh, endlich angekommen zu sein

Umbrien, ein Trüffel- und Schinkenparadies


Umbrien hat uns kulinarisch wirklich gut gefallen, die Zubereitungen sind zum Großteil geschmacklich stark. Spezialitäten sind dort vor allem Trüffel, Wildschwein und Schinken. Man kann praktisch in jedes Restaurant gehen und gut essen. Da Umbrien touristisch nicht überlaufen ist, findet man auch weniger “Touristenfallen”. Hier einige Adressen in der Gegend, die wir empfehlen:

Stadt: Gubbio
Il Picchio Verde
Via Savelli della Porta, 65, 06024 Gubbio PG, Italie
Unser Tipp: Das Lamm ist ein Traum.

Stadt: Perugia
Mediterranea Pizzeria
P.za Piccinino, 11, 06122 Perugia PG, Italie
Unser Tipp: früh ankommen, die Pizzeria ist sehr beliebt.

Stadt: Santa Maria degli Angeli
La Pregiutteria Casa Norcia
Via Alcide De Gasperi, 1, 06081 Santa Maria degli Angeli PG, Italie
Ein Restaurant, das auf Schinken spezialisiert ist!
Unser Tipp: Abends einen Tisch reservieren, wenn man nicht früh heim möchte. Während Assisi Abends schnell ruhig ist, ist in den Gassen von Santa Maria degli Angeli noch viel los: Konzerte animieren die Nightlife und viele Menschen gehen aus.

Stadt: Assisi
Buca di San Francesco
Via Eugenio Brizi, 1, 06081 Assisi PG, Italie
Unser Tipp: Einen Platz auf der wunderschönen, schattigen Terrasse reservieren.

Stadt: Foligno
Norcineria Massatani 1913
Duomo di Foligno, Largo Giosuè Carducci, 36, 06034 Foligno PG, Italie
Unser Tipp: Perfekter Ort für eine rasche Mittagspause, die Sandwiches sind großzügig und mit leckeren lokalen Zutaten zubereitet.

Spello, eines der schönsten Dörfer auf Erden

Die Kleinstadt Spello war eine schöne Offenbarung. Fast alle Dörfer in Umbrien sind hoch gelegen, so dass man über die wunderschönen Aussichten immer wieder nur staunen kann. Aber Spello hat das gewisse Etwas.

Außerdem hat es eine schöne Blumentradition. Die Infiorate von Spello ist eine Veranstaltung, die jedes Jahr anlässlich des Fronleichnamsfestes stattfindet. Die Infioratori arbeiten das ganze Jahr über daran, Teppiche und Blumenmalereien zu schaffen, die sich durch die Straßen des historischen Zentrums schlängeln und die den Durchgang des Leibes Christi ehren sollen, der in einer Prozession vom Bischof getragen wird.

Das Ergebnis ist ein etwa 1,5 km langer Weg, der sich durch abwechselnde ausdrucksstarke und raffinierte Teppiche aus Blumen auszeichnet. Und auch außerhalb dieses Festes ist Spello das ganze Jahr über mit Blumen geschmückt.

“Mit wenig Gut leben”

Eines Abends ging es mit Elisa’s Familie ins Restaurant La Pregiutteria Casa Norcia, in Santa Maria degli Angeli. Es war der Vorort, wo ihr Mann Fabio aufwuchs.

Während wir versuchten, uns für einen der vielen Schinken auf der Karte zu entscheiden, stellten wir Fabio eine Frage: Wie ist die Lebensqualität in Umbrien im Vergleich zu anderen Regionen? Er überlegte kurz und sagte dann: „Wisst ihr, hier hat man das Glück, mit wenig gut zu leben. Wir haben nicht die Verlockungen der Großstädte und die Restaurants sind im Vergleich zu anderen Orten in Italien günstig. Mit einem durchschnittlichen Gehalt kann man hier wie ein König leben. Und das ist der Grund, warum die Leute hier nicht wegziehen wollen und ihre Ländlichkeit bevorzugen“.

Eine Philosophie des einfachen Lebens, die in uns nachhallte, da sie der Art und Weise, wie im Luberon gelebt wird, sehr nahe kam. 

Einwohner in Spello, der seine Blumen goss

Und nachdem wir unseren Schinken gegessen und unseren Wein getrunken hatten, standen wir auf und gingen durch die Straßen, wo Musik gespielt und getanzt wurde. Und das Leben fühlte sich in der Tat sehr leicht und angenehm an.

P.S. Eine skurrile Sehenswürdigkeit in dieser Stadt (Santa Maria degli Angeli) ist die Basilika, die eine kleinere Kapelle umschließt, um sie zu erhalten. In dieser Kapelle betete der Heilige Franziskus von Assisi.

Auf einem ehemaligen Bauernhof zu Gast

Übernachtet haben wir in der Wohnung 429 ASS. Diese Wohnung gehört zu einem ehemaligen Bauernhof, das von der Besitzerfamilie komplett renoviert wurde und selbst auch vor Ort wohnt.

Léa, eine große Katzenliebhaberin

Bei der Apéritif-Vorbereitung

Und die Aussicht ist atemberaubend, auf den Anhöhen von Assisi ist man von Natur und Ruhe umgeben. Eine unserer Lieblingsbeschäftigungen war es übrigens, stundenlang mit einem Tee zu lesen und diesen Ausblick vor Augen zu haben.

Guillaume beim Lesen

Hinzu kommt die außergewöhnliche Freundlichkeit unserer Gastgeberin, sie backt bei jeder Ankunft einen riesigen Kuchen und teilt bereitwillig alle guten Tipps zur Region. Auf dem Grundstück leben außerdem süße Katzen (diese kommen natürlich nicht in die Wohnung, lassen sich aber gerne streicheln).

Unsere beiden Terrassen vor und hinter der Wohnung ermöglichten es uns, unsere Mahlzeiten immer in der Sonne zu genießen.

Sonnenuntergang

Sonnenaufgang

Der 12 m x 7 m große Pool (der mit einer zweiten Mietwohnung geteilt wird, 626 ASS) unterhalb des Hauses war eine willkommene Erfrischung.

Eine Sache, die man vielleicht im Hinterkopf behalten sollte, sind die beiden Badezimmer, die typisch italienisch sind, mit ziemlich kleinen und randlosen Duschen. Man musste also vorsichtig duschen!

Das wars erst einmal wieder von uns. Wir träumen weiterhin noch von Italien und freuen uns auf den nächsten Ausflug dort!

Unsere Übernachtungstipps

Lavendelquizz: Wie gut kennen Sie sich aus?

Lavendelquizz: Wie gut kennen Sie sich aus?

Als wir uns überlegt haben, über welches Thema wir denn für Anfang Juli schreiben könnten, kam ganz schnell der Lavendel auf dem Teppich. Gleichzeitig gräuselt es uns aber auch ein wenig, darüber zu berichten.

Jedes Jahr werden unsere Social Medias überflutet von Lavendel, alle Märkte haben mindestens einen Lila-stand wo man alles mögliche, lavendel-haltige kaufen kann: Öl, Seife, Cremes… Sogar der Bäcker von Apt bietet Lavendelbaguette an…

Was kann man denn zusätzliches schreiben, oder eine Überdosis zu riskieren? 

Also haben wir uns gedacht, dass wir ein kleines, lockeres Quiz machen könnten, um unser Wissen über diese schöne Pflanze aus der Provence zu überprüfen. Hier nun unser “Richtig/Falsch” Ratespiel! 

Der Lavendel ist seit Hunderten von Jahren Symbol der Provence

Falsch. 

Lavendel als Symbol der Provence ist relativ neu und stammt aus dem 20. Jahrhundert. Unter anderem dank der regionalen Schriftsteller, die den Lavendel auf die Goldwaage legten. Der Lavendel als Blume der Provence erschien vor allem 1944 unter der Feder von Marguerite und Paul Augier in mehreren Erzählungen ihrer “Contes de Lure et du Ventoux” (regionale Märchenerzählungen). Und natürlich Jean Giono, der erklärte, dass Lavendel die „Seele der Haute Provence“ sei.

Die ersten Lavendelfelder wurden für den Tourismus angebaut

Falsch. 

Ende des 19. Jahrhunderts war der Anbau von Lavendel zunächst eine wirtschaftlich-politische Entscheidung, die man aufbrachte, um die Landflucht der Bevölkerung zu verhindern, besonders in den Gebirgsgegenden der Haute Provence.

Der Lavendel war bisher eine wilde Pflanze, die in den Bergen reichlich vorkam und auf den entwaldeten und verarmten Böden, die durch eine jahrhundertelange intensive und schlecht geführte Nutzung verarmt waren, hervorragende Bedingungen für ihre Entwicklung fand.

Der Lavendel bot viele Vorteile: zum einen ist er ist leicht anzupflanzen und zu pflegen. Zum anderen stieg die Nachfrage konstant dank der Industrie und der Parfümeure. 

Die Felder und Anbautechniken haben sich über die Jahrzehnte drastisch geändert

Richtig. 

Die ersten Lavendelkulturen waren Mischkulturen, Baïassières genannt (baïasse ist provenzalisch für Lavendelfuß). Sie wuchsen mit Mandel- und anderen Bäumen zusammen und es gab genug Distanz zwischen jedem Strauch, sodass ein Mensch dazwischen laufen konnte, um die Pflanze abzuschneiden. 

Als der Lavendel von den Hochebenen herunterkam, um in den Ebenen massiver angebaut zu werden, änderte sich auch die Lavendelkultur und nahm die Gestalt von kilometerlangen, uniformen und eng aneinander gereihten Feldern an.

Die Richtung der Lavendelreihen selbst veränderte sich: Ursprünglich verliefen sie parallel zu den Höhenlinien, damit die Pflanzen Wasser und Erde speichern konnten, heute verlaufen sie in Richtung des Hangs, damit die Traktoren leichter durchfahren können

Die Lavendelpflanzen sind zu 100% identisch für jedes Lavendelfeld

Richtig.

Zu Beginn des Lavendelanbaus wurden die Felder mit Setzlingen bepflanzt, die aus den weiten, mit wildem Lavendel bedeckten Flächen entnommen wurden, oder sie wurden gesät. Jede Pflanze war dann einzigartig und unterscheidete sich von den anderen in Größe, Form, Farbe und Qualität des ätherischen Öls.
Heute vermehrt man Lavendel durch Stecklinge. Dies sind die sogenannten Klonkulturen. Alle Pflanzen sind absolut identisch untereinander, in Form, Farbe und Qualität für ätherische Öle.

Lavendel wächst überall in der Provence

Falsch. 

Echter Lavendel wächst in Regionen, die mindestens 800 Meter über dem Meeresspiegel liegen, in trockenen, kalkhaltigen Gebieten, während Lavandin – sein Verwandter – so gezüchtet wurde, dass er relativ überall wachsen kann. Seit den 1950er Jahren hat der Lavandin, der auch fünfmal mehr Öl produziert, den feinen, echten Lavendel fast vollständig verdrängt. Heute macht die neue Art etwa 80% der Lavendelproduktion aus, wie in Valensole, während die Mutterart nur noch in den höheren Lagen zu finden ist, wie z.B. Sault. 

 

Alles richtig gehabt? 😉 

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Reillanne: Sonntagsmarkt im Hippiedorf der Provence

Reillanne: Sonntagsmarkt im Hippiedorf der Provence

Jeder in der Gegend weiß, Reillanne ist besonders. Hier kommt es nicht selten vor, Menschen mit peruanische Mütze und Pluderhose zu begegnen. Denn Reillanne gilt in der Gegend als das Hippie-Dorf schlechthin. Und dementsprechend herrscht eine entspannte Stimmung auf dem Sonntagsmarkt.

Als wir vor einigen Wochen den Markt besuchten, wurden wir gleich mit diesem Schild willkommen geheißen:

„Reillanne 28. Februar: Festlicher Abend zugunsten der Streikkassen. Getränkestand, Diashow, Kino, Crêpes, musikalische Unterhaltung und Debatten.”

Wir waren leider 2 Tage zu früh dort, sonst hätten wir gerne auch darüber berichtet.

Der Sonntagsmarkt ist relativ klein, aber sehr fein: einige Gemüsestände wie es sich für jeden Markt gehört, sowie einen leckeren Käsestand, der bunte Käsesorten anbietet, die mit Aromaten, Chilis oder getrocknetem Gemüse verfeinert werden. Sie sind nicht ganz billig, eignen sich aber hervorragend als Aperitif. Der Bio-bäcker und der Naturweinhändler (sofern man Naturwein mag, ist dieser Stand eine absolute Empfehlung) runden die Einkäufe ab. Einige Stände bieten auch Gerichte zum mitnehmen.

Über den Marktplatz gibt es das Café du Cours, wo öfters Live-Konzerte veranstaltet werden. Die Plätze auf der Terrasse des Cafés sind im Sommer sehr begehrt, denn sie bieten einen Ausblick auf den Markt und die Dorfkirche. Hier treffen die Einheimischen und die Touristen aufeinander, bestellen Kaffee oder das erste Bier, lesen Zeitschrift, plaudern und lassen die Sonne auf sich scheinen. Die einen fahren vor Mittag wieder los, die anderen bleiben und bestellen einen plat du jour. Immerhin ist es ja Sonntag.

Auf den Hin- oder Rückweg empfehlen wir, unbedingt bei der Biscuiterie (Keksfabrik) von Céreste anzuhalten. Diese befindet sich, etwas versteckt, neben dem Supermarkt U. Die Umgebung, ein großer Parkplatz, ist zunächst nicht sehr einladend. Doch wer die Tür zur Keksfabrik aufstößt, wird für seinen Mut belohnt. Alle Sorten – süß und einige salzige Varianten für den Apéro – sind selbst gemacht und mit einer minimalen Liste an Zutaten. Wenn man einige Sorten kosten will, kann man im kleinen Tee-Salon Platz nehmen und einen Tee mit Keksen bestellen. Gerne berät der Inhaber auch, wenn man sich nicht entscheiden kann.

La Rue des Biscuits
Lieu dit la gare Zone d’activité du moulin
04280 Céreste

Achtung, die Keksfabrik schließt am Sonntag Nachmittag und Montag ganztägig

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Markt in Apt: Unsere Lieblingsstände

Markt in Apt: Unsere Lieblingsstände

Heute geht es um unsere geliebten provenzalischen Wochenmärkte. Einer der größten und ältesten des Luberon ist ohne Zweifel der Markt in Apt (jeden Samstag), der sich mit über 300 Ständen über die ganze Stadt erstreckt. Bei so vielen Ständen verliert man leicht den Überblick, deswegen dachten wir, dass wir heute mal ein paar Adressen hervorheben, die wir gerne regelmäßig besuchen.

Startpunkt: Royal Moka Café

Im Juli – August ist es ratsam, früh den Marktbesuch zu starten, denn meistens wird es ab 10 Uhr 30 zu voll (und heiss). Natürlich kann aber kein Tag ohne Kaffee wirklich starten. Am Anfang der rue Saint Pierre (die Straße am östlichen Eingang von Apt) gibt es einen guten Café, den Royal Moka. Sowohl der geröstete Kaffee als auch die Teeauswahl sind sehr zu empfehlen. Unser Tipp: für jeden Tee gibt es auch die Eistee Variante. Diese wird mit einem Kännchen Zuckersyrup serviert, sodass man die gewünschte Menge an Zucker selbst entscheiden kann.

Kaffeeliebhaber können auch ihren gemahlenen Kaffee für zu Hause dort kaufen.

 

1. Stand
Provenzalische Hausschilder

Gleich neben dem Royal Moka Café entdeckt man einen Stand mit tollen Hausschildern aus Keramik. Die schönen, einladenden Farben sind ein richtiger Augenfänger und gerne hält man an, um sich die Handarbeit genauer anzusehen. Die Künstlerin Martine Guimet erstellt auch personalisierte Hausschilder auf Anfrage (Produktionsdauer 1 – 2 Wochen). Eine originelle Idee, als Souvenir sein provenzalisches Hausschild für sein Haus in Deutschland zu haben, oder? Madame Guimet hat ebenfalls ihr Atelier in Saint Saturnin les Apt: 7 avenue Jean Geoffroy, 84490 Saint-Saturnin d’Apt.

2. Stand
Ziegenkäse

Wenn man die rue Saint Pierre weiter hinauf läuft, kommt man auf einen kleinen Platz, dort findet man die Boutique Rousset für provenzalische Süßwaren und die Maison Pinna für italienische Spezialitäten (die Lasagnen “to go” sind ein Genuss und lassen sich bequem zu Hause aufwärmen). Gegenüber der Maison Pinna findet man einen kleinen Ziegenkäsestand, der in Apt einen sehr guten Ruf genießt. Oft ist er am Ende des Vormittags schon ausverkauft, also schnell zugreifen, wenn man frischen Ziegenkäse mag.

3. und 4. Stand
Gemüse

Alle Gemüsestände sind sehr qualitativ, wir wollten hier nur zwei kleine Stände hervorheben, denn sie sind von den Bauern selbst gehalten (die großen Stände sind meistens Händler, die die Ware wiederverkaufen). Daher ist die Produktion auch klein und saison- und anbaubedingt (der Bauer auf Stand 3 verkauft z.B. nie Zucchinis), aber es hat den Charme des Authentischen und die Preise sind unschlagbar. Beide Stände befinden sich jeweils in den zwei nächsten Seitenstraßen rechts von der rue des Marchands, die die rue Saint Pierre verlängert.

5. Stand
Käse


Die erste Seitenstraße rechts von der rue des Marchands kommend (Place de la Cathédrale) beherbergt außerdem noch zwei weitere, interessante Stände. Der erste ist ein Käsestand für die, die gerne mehr als nur Ziegenkäse essen wollen und es gerne auch außergewöhnlich mögen. Viele Käsesorten sind mit anderen Kräutern und sonstigem aromatisiert: Espelette-Pfeffer, Kümmel, Oliven, getrocknete Tomaten… Und man kann alles probieren, bevor man sich entscheidet.

6. Stand
Brot


Ein wenig weiter gibt des den “Stand der Zwillinge”, wie ihn die Einheimischen nennen: zwei Zwillingsbrüder, die Brot aus den verschiedensten Getreidesorten verkaufen: Dinkel, Khorasan-Weizen, Roggen, Mais und noch vieles mehr!

7. Stand
Apéritif

Wenn man die rue des Marchands weiter entlang schlendert, kommt man auf den Rathausplatz. Dort findet man einige Stände, die den zukünftigen Apéritif abrunden werden: Oliven, verschiedene Aufstriche, eingelegter Knoblauch, Knabberzeug… hier kann man meistens auch alles probieren, wenn man fragt.

8. Stand
Samen


Ein ausgefallener Stand befindet sich am Place du Septier, gegenüber den Valseuses: Saatgut für Bauernpflanzen, Gemüse und Blumen in Kleinproduktion… hier findet man den Stand des Kollektivs “Gemüsegartens eines Neugierigen” (Le potager d’un curieux), eine Garteninitiative, die man in Saignon besuchen kann. Die Samensammlung ist im Laufe der Jahre durch eine Reihe von Funden, Entscheidungen, Herzensangelegenheiten und Schenkungen entstanden. Auf dem Markt in Apt wird ein Teil der Samen des Gartens weiterverkauft.

Endpunkt: Valseuse

Japanisch inspirierte Küche nur mit frischen, lokalen Zutaten, so könnte man die Valseuse zusammenfassen. Die Inneneinreichtung ist sehr angenehm (besonders die Deckenlampen!) und der Service tip top. Kurzum, der perfekte Ort, um nach seinem Marktgang Mittag zu essen. Achtung: besser am Vortag reservieren, denn die Adresse ist sehr beliebt, besonders am Markttagen!

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Brantes: Das Dorf in den Sternen

Brantes: Das Dorf in den Sternen

Heute geht es nach Brantes, am anderen Ende des Vaucluse, für einen kleinen Spaziergang.

Wie ein tapferer Wächter hängt Brantes über dem Tal des Toulourenc. Ein sehr kleines Dorf an der Grenze zum Departement Drôme, das ursprünglich von Kunsthandwerk, Ziegenzucht und Käseherstellung lebt.

Im Dorf krönen Gassen, gewölbte Durchgänge und alte Steinhäuser ein Schloss, von dem aus Sie einen herrlichen Blick auf den Ventoux genießen können. Sie können einige Handwerkswerkstätten entdecken, in denen Fayence, Töpferwaren und Santons dekoriert werden. Es ist ein Adlernest, das von den Künstlern auserwählt wurde.

Wenn Sie durch die Gassen schlendern, werden Sie bestimmt an dem Atelier Gilles/Wieman vorbeikommen. Martine Gilles hat diese Töpferei schon 1975 in Brantes eröffnet und arbeitet mit Leidenschaft an ihre Kreationen mit Jaap Wieman, der sich ihr 1978 anschloss. Leider konnten wir vor Ort keine Fotos schießen, denn Martine Gilles hat leider schon schlechte Erfahrungen mit Fälschungen gehabt, aber die wunderschönen, phantasievollen Töpfereien lohnen sich.

Unter dem Atelier gibt es etwas Besonderes, was die Töpfer nur an Wochenenden öffnen: “Chez Martine”. Ein besonderer Aussichtspunkt (Belvédère) mit guten Produkten aus dem Tal, die Sie auf den hübschen Tellern des Ateliers verspeisen können… Der Ausblick ist grandios und kann mit dem “jardin sur le toit” von Saignon konkurrieren (und weniger “Schickimicki”).

Der Mont Ventoux könnte sich eigentlich keinen besseren Nachbarn wünschen…. alles ist niedlich und authentisch in Brantes, das noch vom Massentourismus verschont geblieben ist. Die 2817 ha große Gemeinde, die sich von den Grenzen der Drôme bis zum Kamm des Ventoux erstreckt, zählt derzeit ungefähr 68 Einwohner, beherbergt die interkommunale Schule und verfügt über eine Postagentur.

Unser Geheimtipp: Brantes dans les étoiles

Falls Sie zur Winterzeit im Vaucluse sein sollten, organisiert Brantes im Dezember “Brantes sous les étoiles” (Brantes in den Sternen): Ein Abendfestival über mehrere Tage, wo das ganze Dorf von Girlanden beleuchtet wird und die lokalen Künstler ihre Türen öffnen. Für „Brantes dans les étoiles“ öffnen sie ihre Werkstätten für nächtliche Besucher und erzählen mit Leidenschaft von ihrer Welt. Dort entdeckt man einen Tapezierer, hier einen Instrumentenbauer, einen Keramiker oder auch einen Weber…

Der Bäcker aus dem Nachbardorf reist extra an und die zwei Restaurants laden Sie ein, die kleinen Gerichte zu probieren, während in den Häusern Suppen, Kräutertees, Schokolade und Glühwein dampfen.

Sie befinden sich außerhalb der Zeit, die Provence der Einheimischen, die von der imposanten Silhouette des Mont Ventoux geschützt wird…

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Villars: Hinter den Kulissen von Jean-Paul’s Bäckerei

Villars: Hinter den Kulissen von Jean-Paul’s Bäckerei

Villars und seine Gemeinde

Unser heutiges Thema bringt uns dieses Mal in Villars im Vaucluse. Ein kleines, typisches Dorf der Provence, mit seinem Springbrunnen auf dem Dorfplatz sowie seiner kleinen Kapelle nebenan. Gegenüber des Brunnens findet man die “Bar des amis”, wo man Mittags und Abends etwas trinken und essen kann, ohne großen Schnick Schnack. Die Bar gehört der Gemeinde und alle 4 bis 5 Jahre wechselt die Leitung. Warum die Besitzer sich so oft ablösen kann sich im Dorf keiner wirklich erklären: manche meinen, die Miete sei zu hoch, andere, dass die ausgewählten Kandidaten meistens zu jung sind und nicht in Villars Karriere machen wollen.

Der Bäcker Jean-Paul

Ein Laden, der aber seit Jahren nicht gewechselt hat, ist die Bäckerei von Jean-Paul. Auf der anderen, gegenüber gelegenen Seite des Springbrunnens findet man die kleine Bäckerei und seinen Bäcker, der meist still und diskret hinter seiner Theke das Brot bedient. Sehr zurückhaltend in seiner Attitüde, gibt Jean-Paul nicht viel von sich Preis. Dabei hat er eine beachtliche Karriere hinter sich.

Immer die gleichen Gesten

Von einer spanisch immigrierten Großfamilie stammend, begann er sehr jung zu arbeiten. Er lernte den Bäckerberuf in Sarrians, wo sein Meister nur mit traditionellen Steinofen und Hefen arbeitete. Und generell sehr klassisch in der Angehensweise. Das erzählte Jean-Paul während er seine Croissants zubereitete. “Siehst du den kleinen Einschnitt, denn ich hier mache? Wenn du den machst, kann man den Croissant einfacher formen. Das war bei meinem Meister verboten, weil es unüblich ist. Er war wirklich alte Schule. Aber jetzt mache ich eh, was ich will” fügte er schmunzelnd hinzu. Bis auf diese Kleinigkeiten hat Jean-Paul aber die alten Herstellungsmethoden fortgeführt, wie zum Beispiel den “Beaucaire”: zwei übereinander aufgestellte Brotteige, die dann seitwärts gebacken werden. Dieses provenzalische Brot gibt es seit dem 15. Jahrhundert und war sehr begehrt, denn das Brot trocknete langsamer aus andere Formen.

Der Steinofen

Jean-Paul backt sein Brot wie kaum noch jemand in der Region: er benutzt einen traditionellen Steinofen, den er Stunden vorher anheizen muss, um die gewollte Temperatur zu erlangen. Seine Arbeit beginnt in der Nacht, wo er anfängt, das Holz zu brennen und nebenbei den vorbereiteten Teig zu formen.

Besonders beeindruckend ist der Moment, wo er gegen 6 Uhr morgens seine Teige in den Ofen schiebt. Die Öffnung des Ofens in Villars ist sehr schmal und der Ofen an sich mehrere Meter tief. Um viele Brote gleichzeitig zu backen, benutzt Jean-Paul meterlange Brotschaufeln, auf welchen er bis zu 5 baguettes einreiht, bevor er diese in den Ofen schiebt. Wenn man die Bäckerei betritt, sieht man seine Schaufeln über den Ofen hängend und kann sie bewundern.

Die Bäckerei macht auf

Kurz später kommt der Moment, wo alles schnell geht, denn es ist auch die Zeit, wo die ersten Stammkunden von Villars ankommen, um Brot zu kaufen oder einen Kaffee zu trinken und zu plaudern, bevor es auf die Arbeit geht. Und die kleine Espressomaschine von Jean-Paul war an dem Morgen besonders erfolgreich, weil die “Bar des amis” geschlossen hatte. Der Grund: ein erneuter Besitzerwechsel. Und auch in der Boulangerie wurde darüber gesprochen:

“Hé Jean-Paul! Hast du auch gehört, wer die ‘Bar des amis’ übernimmt? Es ist der Kellner von ‘La Fontaine’. Mensch, ich weiss nicht so recht, ob das eine gute Entscheidung war… Ich meine, er kommt nicht wirklich aus Villars, aber mal sehen, wie sich das alles entwickelt! Allez, ich muss los, bis morgen!”

Jean-Paul nickte, ordnete sein Brot, verteilte Kaffee und arbeitete still weiter. Er wusste seit zwei Wochen Bescheid.

Wann kann man bei Jean-Paul sein Brot kaufen?

Jean-Paul heizt seinen Ofen nur ein Mal am Tag an, deswegen kann es sein, dass vieles um 16:00 Uhr schon verkauft wurde. Frühaufsteher können meistens um 7 Uhr Jean-Paul noch beim backen beobachten. Nachmittags ist seine Boulangerie geschlossen, damit er schlafen kann.

Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag
7:00 Uhr bis 12:30 Uhr, dann 16:00 Uhr bis 19:00 Uhr

Samstag, Sonntag
7:00 Uhr bis 13:00 Uhr

Mittwoch
Geschlossen

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Ockerfelsen: Unglaubliche Farben in der Provence

Ockerfelsen: Unglaubliche Farben in der Provence

Die Gegend von Apt, zwischen Roussillon, Gargas bis nach Rustrel ist berühmt für die braunrote Erde, die Landschaft und Häusern zauberhafte Farbtupfer verleiht. Einzigartige Farbtöne von Hellgelb, Beige, Goldgelb, Rot, Violett, Braun und Grün kommen als natürliche Erdfarben vor. Eisenoxidvorkommen sind für die Verfärbung der Erde verantwortlich, aus der man seit Urzeiten natürliche Pigmente zur Herstellung von Farben und Putzen gewinnt und die ungewöhnliche Farbigkeit eine besondere Sehenswürdigkeit für die Besucher dieser Gegend darstellt.

Bekanntester Abbauort in Europa ist die Region um Roussillon. 

Das Dorf Roussillon hat sich ganz in die Farbtöne gekleidet, für die es berühmt ist, und beeindruckt mit ockergelben und ockerroten Fassaden. Hier befindet sich in der ehemaligen Fabrik Mathieu « Le Conservatoire des ocres et pigments appliqués », das Conservatorium für Ocker und angewandte Farben, eine Art Ockermuseum und Ockerforschungsstätte. Hier dreht sich alles um Farben! 

Das ganze Jahr über werden Vorträge und praktische und künstlerische  Kurse zu verschiedenen Themen der Farbe angeboten: Konferenzen, Demonstrationen, Tage der offenen Tür und spezielle Veranstaltungen  füllen den Kalender!

Aktuelle Informationen unter www.okhra.com 

Ein eindrucksvolles, ebenfalls aufgegebenes Abbaugebiet liegt etwa 20 km östlich von Roussillon im Colorado bei Bouvène, südlich von Rustrel. Diese Vorkommen wurden schon in der Römerzeit genutzt, dann aber vergessen und erst 1780 wiederentdeckt.

Ein Besuch lohnt sich und ist für Kinder und Junggebliebene ein Riesenspaß, allerdings sollten sie für eine Wanderung durch das Ockerland unempfindliche oder gut waschbare Kleidung anziehen, denn der feine Pigmentstaub ist sehr anhänglich.

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Märkte der Provence: Wo kann man schlendern?

Märkte der Provence: Wo kann man schlendern?

Was ist der Midi ohne seine farbenfrohen Märkte? 

Ein ganz besonderes Flair verbreiten die zahlreichen Wochen- und Bauernmärkte in Ihrer Urlaubsregion. Ob ganzjährig oder nur im Sommer, in der Vegetationszeit, um die saisonal reifenden Gemüse und Früchte vor Ort zu vermarkten: mit ihrer Fülle und Farbigkeit präsentieren sie mediterranes Klima und Lebenskultur. Manchmal hat man einfach Lust, sich in eines der einladenden Straßencafes zu setzen und nur die Atmosphäre aufzusaugen, einen Pastis oder Café crème  zu sich nehmen und die Seele baumeln lassen.

Provenzalische Märkte im Luberon

Montag: morgens in Cadenet, Cavaillon und Lauris

Dienstag: morgens in Cucuron, Gordes, La Tour d’Aigues

Mittwoch: morgens in Pertuis, ab 17 Uhr in Coustellet (Juni bis August)

Donnerstag: abends in La Motte d’Aigue (Juni bis September)

Freitag: morgens in Carpentras, Bonnieux, Lourmarin, Pertuis

Samstag: morgens in Apt (ein 800 Jahre alter Markt), Pertuis, Cadenet (Mai bis Oktober)

Sonntag: morgens in L’Isle-sur-la-Sorgue (mit ganztägigem Antiquitätenmarkt), Coustellet (April bis Dezember, absolut empfehlenswert)

Provenzalische Märkte in den Alpilles

Montag: morgens in Fontvieille, ab 17 Uhr in Saint Etienne-du-Grès 

Dienstag: morgens in Eygières und Le Paradou, ab 17 Uhr in Saint Etienne-du-Grès

Mittwoch: morgens in Arles, Mouriès und Saint Rémy, ab 17 Uhr in Fontvieille (30.06. – 01.09.) und Saint Etienne-du-Grès

Donnerstag: morgens in Maussane-les-Alpilles, ab 17 Uhr in Saint Etienne-du-Grès

Freitag: morgens in Eygalières, Fontvieille und Eyrargues, ab 17 Uhr in Saint Etienne-du-Grès

Samstag: morgens in Arles (er erstreckt sich über 2 km boulevard des Lices und avenue Èmile Combes), ab 17 Uhr in Saint Etienne-du-Grès

Sonntag: morgens in Châteaurenard

Provenzalische Märkte an der Côte d’Azur

Täglich morgens in Antibes (Cours Masséna), Sainte-Maxime (sehr belebte Markthalle), Saint-Raphael (Place de la République, Pace Victor Hugo und Vieux Port), Toulon (Cours Lafayette, außer montags).

Dienstag: morgens in Bormes-les-Mimosas (Pin-de-Bormes), Cotignac, Fayence, Lorgues, Saint-Tropez 

Mittwoch: morgens in Aups, Bormes-les-Mimosas (vieux village), Brignoles, Cogolin, Draguignan, Fréjus, La Garde-Freinet, Sanary-sur-Mer, Tourtour 

Donnerstag: morgens in Bargemon, Fayence, Grimaud, Le Lavandou, Ramatuelle, Villecroze

Freitag: morgens in Le Beausset, Entrecasteaux, Le Luc, Roquebrune-sur-Argens, Sainte-Maxime  

Samstag: morgens in Aups, Barjols, Brignoles, Callas, Cogolin, Fayence, Fréjus, Hyères , Saint-Tropez, Tourtour 

Sonntag: morgens in Le Beausset, La Croix-valmer, Draguignan, Fréjus, La Garde-Freinet, Port-Grimaud,  Ramatuelle

Versäumen Sie auch auf keinem Fall den Wochenmarkt samstags in Aix-en-Provence rings um den Justizpalast herum. In Aix finden auch täglich mehrere Märkte statt (place Richelme, place de la Madeleine oder place des Pêcheurs).

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